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„Google Translator Kann Das Vielleicht Nicht, Aber Deepl Pro Schon.“

„Google Translator kann das vielleicht nicht, aber Deepl Pro schon.“

Stimmt’s? Serena wagt den Vergleich


Dass das Thema spannend ist, wussten wir. Und dass wir nicht alle der gleichen Meinung sind, wussten wir auch. In meinem vorherigen Artikel habe ich ausschließlich über Google Translator als maschinelles Übersetzung-Tool geschrieben und bin zu dem Schluss gekommen, dass eine Maschine einen Übersetzer aus Fleisch und Blut in puncto Qualität nicht toppen kann. Mit Deepl Pro steht uns Übersetzern jetzt allerdings ein neues Tool zur Verfügung – ein deutlich besseres Tool, soviel sage ich schon vorab.
Denn nachdem ich eine E-Mail bekommen habe, die meine obige Schlussfolgerung in Frage stellte, habe ich kurzerhand beschlossen, eine Übersetzung von mir mit einer von Deepl Pro zu vergleichen. Der ausgesuchte Werbetext ist ein Erfahrungsbericht über eine Familienwanderung mit Kinderwagen in Südtirol. Das Zielpublikum sind Familien, die ihren Urlaub gern in den Bergen verbringen. Der Zweck des Textes ist es, den potenziellen Urlaubern zu zeigen, dass auch Eltern mit Kinderwagen – mit der richtigen Vorbereitung – gemütlich wandern können.

Vergleich 2.0

Textanalyse

Diese erste Analyse kann eine Software schon mal nicht leisten, aber wir lassen es jetzt einfach trotzdem gelten – obwohl ein professioneller Übersetzer davon nicht absehen kann, um den passenden Stil zu finden. Schließlich will ja nicht jeder gleich angesprochen werden.

Schnelligkeit

Deepl Pro ist in einer Minute fertig, ich habe über vier Stunden an der dreiseitigen Übersetzung gearbeitet. Aufgeteilt auf zwei Tage: Ich schlafe meistens eine Nacht darüber (außer es geht nicht anders, dann macht man auch mal eine Ausnahme).

Erster Eindruck

Ich gebe zu, auf die Schnelle wirkt die Deepl-Pro-Übersetzung recht gut. Einige Sätze sind zum Teil ähnlich wie meine. Grammatikalisch ist die Übersetzung korrekt, außer wenn die Sätze getrennt wurden. In dem Fall erkennt das Tool das Subjekt nicht mehr und dann passen die Konkordanzen auch nicht. Trotzdem scheint das Endergebnis auf den ersten Blick durchaus gut. Für eine aussagekräftige Beurteilung muss ich allerdings doch etwas mehr ins Detail gehen.

Titel

Das ist das Schwierigste für einen Übersetzer, weil Titel Fantasie verlangen. Nicht jedes Wortspiel kann wiedergegeben werden und Kreativität funktioniert leider auch nicht auf Knopfdruck. Aber ein erfahrener Übersetzer kommt immer ans Ziel. Eine maschinelle Übersetzung kann da nur scheitern. Das zeigt sich dann auch ganz klar an den folgenden zwei Beispielen:

Ausgangstext: Familienwandern
Serena: Escursione in famiglia
Deepl Pro: Escursionismo familiare

Grammatikalisch sind beide Lösungen korrekt. „Familiare“ heißt aber „familiär“, also „intim“, „vertraulich“ und nicht, dass die ganze Familie auf Wandertour geht. Deepl Pro trifft hier nicht den Sinn des Ausgangstextes.

A: Balanceakt am Rosengarten
S: Un esercizio di equilibrio tra i sentieri del Catinaccio
D: Atto di equilibrio al roseto

Deepl Pro tut sich bei Zusammensetzungen im Allgemeinen schwer. „Atto“ ist in diesem Fall falsch, die Übersetzung bleibt zu nah am Ausgangstext. Für eine Maschine dürfte es immer schwierig bleiben einzuschätzen, wieviel eine Übersetzung vom Ausgangstext abweichen darf. Außerdem fehlt der Artikel und „Rosengarten“ wurde nicht als Toponym erkannt, sondern einfach durch den Gattungsnamen ersetzt.

Modalverben

Modalverben sind schwer zu übersetzen, zumindest wenn es um die Sprachkombination Deutsch-Italienisch geht. Da sind die Nuancen der Sprache zu sehr an die Kultur gebunden und müssen von Fall zu Fall interpretiert werden.
 Hier ein aussagekräftiges Beispiel dazu:

A: Wer seinen Tag mit beidem verbringen darf, also Draußen und mit Kindern, für den gilt allerdings: Vorbereitung ist alles!
S: Tuttavia, chi ha la possibilità di trascorrere la giornata all’aperto assieme ai propri figli, deve tenere a mente soprattutto una cosa: la preparazione è la chiave vincente!
D: Se avete il permesso di passare la giornata sia con i bambini, sia all’esterno che con i bambini, dovete ricordare che la preparazione è tutto!

Auch hier hat Deepl Pro den Sinn des Texte nicht korrekt erfasst: Es geht nicht um die Erlaubnis, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Um zwischen dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen unterscheiden zu können, braucht man eben doch einen Übersetzer 😉

Wortwahl

Die richtige Wortwahl erfordert Feingefühl, dafür reichen statistische Daten nicht aus. Eine Maschine kann nicht zwischen Synonymen wählen – wie sich hier eindrucksvoll zeigt:

A: Fast so wie Kinder, die mit ihrer Neugierde, ihrem Lachen und ihrer Unbekümmertheit Kraft und Sinn ins Leben ihrer Eltern bringen.
S: La loro curiosità, il loro sorriso e la loro spensieratezza portano energia nella vita di mamma e papà e le danno un senso.
D: Quasi come i bambini che portano forza e significato nella vita dei genitori con la loro curiosità, le loro risate e la loro indifferenza.

Hier ist die Rede von der Unbekümmertheit der Kinder und nicht von ihrer Gleichgültigkeit. Deepl Pro hat also einen groben Sinnfehler gemacht.

A: Ich schmunzle – und überlege …
S: Quindi sorrido compiaciuto e inizio a rifletterci su…
D: Sorrido – e pensare …

Das Verb „überlegen“ wurde nicht konjugiert. Und „sorrido“ – also „ich lächle“ –, reicht hier nicht, um die Emotionen des Erzählers wiederzugeben.

A: (…) und hoffe im Stillen, dass das auch so bleiben wird.
S: E tacitamente spero che la situazione resti tale.
D: (…) e spero tranquillamente che rimarrà così.

„Im Stillen“ heißt in dem Fall nicht „tranquillamente“, zu Deutsch „ruhig“, „gelassen“. Der Erzähler bleibt zwar still, aber er ist nicht unbesorgt.

Redewendungen

Redewendungen sind in jeder Sprache anders, zum Teil auch stark regional bedingt. Meistens findet man auch eine Entsprechung dafür, die aber nicht immer zu 100 % den originalen Sinn wiedergibt. Kulturelle Kenntnisse sind hier absolut erforderlich:

A: Über Stock und Stein
S: In mezzo al bosco
D: Su bastone e pietra

Die Redewendung wurde nicht erkannt und einfach wortwörtlich übersetzt.

Fazit

Titel, Toponyme, Modalverben und Redewendungen bzw. bestimmte Ausdrücke werden von Deepl Pro falsch, schlecht oder einfach gar nicht übersetzt. Das Tool kann Wörter nicht ergänzen, Sätze nicht umschreiben, damit sie klarer wirken – und es trifft bei weitem nicht immer den Sinn. Darunter leidet ganz offensichtlich der Stil. Die Sprache ist zwar korrekt, aber weder elegant noch ansprechend bzw. an das Zielpublikum angepasst. Die Interpunktion ist zum Teil falsch. Fast jeder Satz musste neu gedacht werden, geschliffen, retuschiert, wenn nicht sogar durch eine kreative Lösung ersetzt.

Einen diplomierten Übersetzer kann das Tool (noch) nicht ersetzen – zumindest dann nicht, wenn es um literarische Übersetzungen und Werbetexte geht, die auf der Ästhetik der Sprache basieren. 
Zu sagen, dass das Endergebnis schlecht ist, wäre aber gelogen, denn die Technologie hat große Fortschritte gemacht. 
Ich finde die Deepl-Pro-Übersetzung tatsächlich mehr als nur brauchbar. Sie als Rohübersetzung zu verwenden und anschließend Korrektur zu lesen, verringert den Aufwand um ca. 20 %. Allerdings bleibe ich nach wie vor dabei: Ein maschinell übersetzter Text wird bis auf weiteres nicht an die Qualität einer Übersetzung herankommen können, die von einem qualifizierten Übersetzer ausgearbeitet wurde.

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