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Ich Tarzan, Du Jane!

Ich Tarzan, du Jane!

Der Fluss tost wild in seinem Bett, sprüht kühle Tropfen durch die warme Frühlingsluft. Ein großer, goldgelber Klecks strahlt vom blitzblauen Himmel. Und Büsche und Sträucher säumen das Flussufer. Bloß nicht runterschauen. Und doch, es geht nicht anders. Die Passer klettert gierig den Felsen unter mir empor, als wolle sie mich verschlingen. Als reiße sie mir gleich die Eisenhalterungen unter den Füßen weg. Aber dem ist nicht so. Nur ich zittere, an der Klippe hängend, halte mich mit aller Kraft an meinem Sicherungsseil und kann nicht anders, als hinunterzuschauen. Dem Tod, dramatisch, wie ich die Situation wahrnehme, direkt ins Auge zu blicken.

Nein, ich befinde mich nicht an der Schwelle zum Anderswo. Ich bin Tarzan und tue, was ich tun muss:
Ich tarzane. Im Passeiertal, bei Mairginter, der einen wilden Parkur für Draufgänger gegründet hat.
Bloß, dass ich eigentlich keiner davon bin. Irgendwann muss aber jeder seine Grenzen überschreiten. And now it’s my turn!

Im Dschungel Südtirols – Springen, schwingen, schwitzen

Aber erstmal von vorne: Gutgelaunt und gespannt auf das, was mich hier erwartet, komme ich mittags im Passeiertal an.
Ich freu mich auf ein wenig „In den Bäumen herum schwingen“. Klettergurt angezogen, geht’s auch schon los. Und schon die erste kleine „Aufwärmungsübung“ – wie unser Guide sie liebevoll nennt – lässt mich ganz schnell wieder wünschen, ich wäre zu Hause geblieben. Ich stehe am Abgrund. 5 Höhenmeter – es fühlt sich aber nach viel mehr an – sind’s, die mich vom Ziel trennen: Dem nächsten sicheren Boden unter meinen Füßen. Ein Baum hat sich dort unten lässig aus dem Boden gegraben und steht jetzt genau vor mir. Ich werde angeseilt. Dann darf ich auch schon mein ganzes Leben in die Hände des Kletterseils geben. Mit den Füßen am Baumstamm, hopse ich recht ungeschickt – mein Herz pocht ja auch wie wild – den Abgrund hinab. Geschafft. Nächste Übung – die Frische des Passerwassers kühlt die Luft am Ufer kräftig ab. Ich hänge meinen Gurt an das nächste Seil. Schon klettere ich um einen großen Steinbrocken herum, schäumendes Wasser unter mir.
Augen zu und durch, denk‘ ich mir. Viel schlimmer kann’s ja nicht werden, denk‘ ich mir.

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(Kletter-)Äffchen oder (Angst-)Hase?

Und doch. Es kann noch schlimmer werden. Wir sind mittlerweile mittendrin im Parkur und ich habe mich als Angsthase der Gruppe entpuppt. Aber dennoch mach ich alles mit: die wackelige, klappernde Leiter hinauf bis zur allerletzten Stufe – dann springe ich ins Nichts und schwing auch schon am Seil zwischen Baumstämmen herum, wie Tarzan an den Lianen.
Puh, geschafft. Aber die nächste Überraschung lässt nicht lang auf sich warten: Echtes – für meine Verhältnisse – Klettern steht jetzt an. Man muss seine Ängste schließlich überwinden!

Todesangstschweiß

Das Klicken der Karabiner gleicht einem Alarmsignal. Bin ich hier wirklich (ge)sicher(t)? Ich strecke meinen Fuß vorsichtig auf die erste Eisenhalterung am Fels. Meine Hände greifen nach dem Seil. Der zweite Fuß findet seinen Weg auf die steinige Oberfläche. Noch sieht alles halbwegs harmlos aus. So kraxle ich einige Meter die Wand entlang. Dann, als die restliche Gruppe mir den Fluchtweg zurück ans Festland versperrt und der Guide mir voran klettert, steigt Panik in mir auf. Die Eisenhalterungen sind viel zu weit auseinander befestigt – wie sollen meine kurzen Beine die großen Abstände meistern?
Wie soll ich mich überhaupt am Fels festhalten können? Und was, wenn das Seil bricht? Ich schwitze. Die Wellen der Passer brechen am Fuße des Felsen, auf dem ich hänge. Aus dem Wasser ragende Steinbrocken strecken mir ihre Spitzen entgegen. Und trotzig lacht die Sonne vom blitzblauen Himmel. Ich will zurück. Der Guide will mir zeigen, wie sicher mein Gurt und das Seil sind: Er überredet mich, loszulassen. Das Seil – und auch die Angst. Vor Verzweiflung könnte ich schreien! Meine Schuhe sind glitschig nass, sie scheinen jeden Moment abzurutschen. Meine Handinnenflächen brennen. Die Muskeln lassen nach. Mein ganzer Körper zittert wie wild. Aber ich muss weiter den Fels entlang. Wo sollte ich auch sonst hin?

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Grenzüberschritt – wie schön es auf der anderen Seite doch ist!

Während ich meine klappernden Beine im Schneckentempo von Halterung zu Halterung ziehe, feuert der Rest der Gruppe mich an. Alle – außer mir – scheinen zu wissen, dass ich mehr kann, als mein Verstand mir zutraut. Und mit jedem weiteren Schritt pocht mein Herz wilder – vor Freude! Ein Stück näher am Ziel. Ans Seil geklammert, will ich den Fels plötzlich nur noch umarmen. Ich klemme meine Fußspitzen in die Halterungen. Und noch ein Schritt. Das Wasser schreit nach mir. Und da – ja, da stell‘ ich meinen ersten Fuß endlich auf’s Festland. Sobald der zweite folgt, krabble ich am Boden in die Sicherheit. Meine Glieder spüre ich nicht mehr, meine Stirn ist tropfnass. Ich schmeiße mich auf den Boden und schließe die Augen.
Ich habe überlebt!

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Die restlichen Parkur-Stationen laufen wie am Schnürchen: Ich klettere am Netz über die Bäume hoch, ich schwinge mich von einem Passerufer zum anderen und ich springe von einem 20 m hohen Baum in den freien Fall! Ja, ich bin Tarzan. 😉 Bist du Jane?
Find’s heraus, wage dich in den Passer-Dschungel!

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