Superpower: Frau-sein

Ines Visintainer, Geschäftsführerin und Gründerin der Kommunikationsagentur clicktext erzählt in der neuen Blogreihe „The people behind clicktext“ von Kindheitserinnerungen, Selbstständigkeit und dem Balanceakt CEO- und Muttersein.

#SarahStories

 

„Wir plaudern am besten dort, wo du dich besonders wohl fühlst“, habe ich meiner heutigen Interviewpartnerin eine Woche vor unserem Treffen vorgeschlagen. Und das tun wir an diesem verregneten Freitagmorgen dann auch: Geschäftsführerin und Gründerin der Content Agentur clicktext Ines Visintainer und ich machen es uns im Haus ihrer Großeltern gemütlich. Sie lächelt, als sie sich auf die Eckbank setzt und sich in Gedanken vielleicht wieder als Kind sieht: mit baumelnden Beinchen, auf der Bank zwischen Jesusbildern und dunkelgrünem Kachelofen. Wie viel von dem Mädchen von damals wohl noch in ihr steckt, frage ich mich wiederum, und merke im Gespräch schnell: so einiges. Unterschätzen darf man die 35-Jährige Mutter und Geschäftsfrau allerdings nicht: Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben und weiß genau, was sie will – und was nicht.

 

 

Wie Ideen geboren werden

 

Ines hat ihren beruflichen Weg früh gefunden und verbindet in ihrem Job all das, was sie liebt: Kreativität, eine ausgewogene Work-Life-Balance und die Zusammenarbeit mit Menschen, die genau wie sie das Gefühl und die Passion für guten Content, gute Stories und für Kommunikation im Allgemeinen haben. Es gibt bei clicktext nicht nur einen kreativen Bereich, sondern viele verschiedene, erzählt sie. „Dadurch ergeben sich bei mir auch verschiedene kreative Prozesse. Bei Claims und Namings beispielsweise sind es meist sehr spontane Eingebungen, beim Texten lass’ ich es eher fließen. Dann gibt es Texte, die ein sehr strukturiertes Arbeiten erfordern. Im Bereich Videocontent braucht es hingegen viel Austausch im Team.“ 

 

Am liebsten arbeitet Ines im Büro: „In unserer neuen clickbase am Marktplatz von Kaltern kommen mir die meisten Ideen – das liegt sicherlich auch am inspirierenden Ambiente, vor allem aber an den Menschen und am positiven Arbeitsklima.“

Ein positives Klima kann man auch hier, im urigen, aber sehr charismatischen Haus ihrer Großeltern, spüren. Die dunklen Möbel, die Holzdecke, die zwischendurch während des Gesprächs wie zustimmend knackt und knarzt, die vielen bunten Bilder an den Wänden … Kein Wunder, dass Ines hier schon als Kind das eine oder andere Gedicht zu Papier gebracht hat. „Ich schreibe, seit ich es kann. Meine Mama und meine Oma waren beide Deutschlehrerinnen, und so bin ich relativ früh in Kontakt mit Buchstaben gekommen. Da haben die ersten Geschichten nicht lange auf sich warten lassen. Oma?“, ruft Ines nach unten. „Hast du noch irgendwo die Mappe mit meinen Gedichten und Briefen, die ich dir als Kind geschenkt habe?“ Und während Oma in ihren alten Kommoden und Kästchen nach den Papieren sucht, kramen wir in der Zwischenzeit einfach mal in Ines’ Erinnerungen weiter.

 

 

Zwischen ersten Erfahrungen und fragwürdigen Strukturen


„Bevor es clicktext gab, hab ich bei sentres.com gearbeitet – und als Redakteurin das Online-Magazin konzipiert und geleitet. Irgendwann bin ich im Vertrieb gelandet, habe das Vertriebsteam schrittweise aufgebaut und den gesamten Akquise-Prozess von Anfang an mitgestalten dürfen. Das war damals ein richtiges Start-Up-Feeling und ich bin mit mir bis dato unbekannten Themen in Kontakt gekommen – User-Experience, SEO, Social Media usw.“, erzählt Ines – das war damals alles ganz neu. Sie habe schnell gemerkt, dass sie in diesem Job sehr viel lernen und für sich mitnehmen kann, aber vor allem, dass das Thema Digitale Kommunikation sie überaus fasziniert. Zu der Zeit tut sich auch privat viel bei der jungen Frau, die vor Motivation und Wissbegierde nur so strotzt. Sie verliebt sich in den damaligen Geschäftsführer von sentres und ihren zukünftigen Ehemann Manuel – und wie es eine filmreife Liebesgeschichte so will, lässt ein unverhofftes Babyglück nicht lange auf sich warten. „Die Schwangerschaft war wohl die größte Überraschung meines bisherigen Lebens – wir haben uns aber ganz schnell sehr darüber gefreut. Und sie hat meinen weiteren Berufsweg maßgeblich beeinflusst. Mir wurde klar, dass ich nach der Mutterschaft nicht in eine zu der Zeit noch relativ starre Arbeitsstruktur zurückkehren wollte. Ich habe mir die Frage gestellt, ob das wirklich die Realität ist: Kind kriegen und Zack! ist man weg vom Fenster? Meine Karriere hatte doch gerade erst begonnen!“

 

 

It’s all … in the beginning

 

Die junge Mutter beschließt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ines, die als Unternehmerin heute für ein flexibles Smart Working Modell einsteht und dies zum Großteil auch mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebt, erinnert sich schmunzelnd an die Anfänge von clicktext zurück: „Bei der Namenssuche für die Agentur klebten zuhause an der Wand zig Post-its mit möglichen Firmennamen und als ich dann irgendwann auf clicktext gekommen bin, wusste ich sofort: Der ist es! Der Name vereinte für mich alles, was mein Unternehmen ausmachen sollte: „click“ für alles Digitale, für Fotografie und Film und „text“ … ja, fürs Schreiben eben.“ Mit der digitalen Kommunikation waren natürlich auch Facebook-Inhalte bei potentiellen Kunden ein gefragtes Thema. Durch eine Freundin lernte Ines Nils Reddig kennen. Der Experte für Facebook Performance brauchte dringend jemanden, der ein Gespür für digitales Storytelling hatte und insgesamt gut mit Worten konnte und Ines suchte umgekehrt jemanden für Social Media Kampagnen – so kam eine Zusammenarbeit und schließlich auch die gemeinsame Firma – beinah’ automatisch –  zustande.

 

 

Business vs. Baby? 

 

Seit September 2019 schaukelt Ines das clicktext-Baby allerdings wieder ganz alleine. Als Frau alles unter einen Hut zu bekommen, sei nach wie vor aber die größte Challenge. „Das kennt jede berufstätige Mutter. Der Tag hat oft zu wenig Stunden, einen Ausgleich für sich zu finden, ist schwierig. Ich finde, dass das Thema „Working Mum“ eine sehr starke Bewusstseinsbildung innerhalb der Gesellschaft benötigt – vor allem, dass man als Frau dazu stehen und auch unbedingt stolz darauf sein sollte, was man alles schaffen kann, vor allem, weil da noch immer so viele lästige Steine im Weg liegen. Die Rolle der Frau bzw. der Mutter in der Gesellschaft findet als Thema heute auf jeden Fall weit mehr Beachtung als noch vor acht Jahren, und ich hab’ den Eindruck, dass sich da noch viel tun wird, in nächster Zeit. Ich setze mich jedenfalls dafür ein, wo ich kann.“

Heute hat Ines zwei Kinder, Emil und Ella, und führt mit clicktext ein bald 10-köpfiges Team. Partnerschaften und Kundenkontakte sind mittlerweile international. „Das alles aufzubauen war niemals einfach, nicht einen Moment lang. Aber es war immer ein großartiges Gefühl! Da braucht es schon viel Ehrgeiz – und natürlich ein stabiles soziales Konstrukt, sprich: talentierte Menschen im Team, die richtigen Partner (im beruflichen und privaten Sinne) und vor allem … Leidenschaft. Ich würde diesen Weg immer wieder einschlagen – auch um anderen Frauen Mut zu machen: Es geht! Und es darf sein.”

Alles fließt.

 

Mittlerweile ist Oma aufgetaucht – mit einer Sammlung an alten Briefen, Zeichnungen und Gedichten. „Daran erinnere ich mich noch!“, lacht Ines, als sie eines davon zwischen die Finger bekommt. Und da ist es wieder, dieses Funkeln in den Augen, das sie immer bekommt, wenn sie sich freut. „Ich lasse mich schnell begeistern – das ist für die Inspiration gut“, grinst sie. Es ist das Wandern, das Sein und Fließenlassen in der Natur, die in der Jungunternehmerin Freude auslösen. „Und tolle Menschen!“ Konflikte und Unausgesprochenes mag sie hingegen gar nicht. „Meine besondere Gabe? In schwierigen Situationen kann ich fast immer Neutralität wahren und bei Konflikten ausgleichend wirken. Und ich habe sehr feine Antennen für die Gefühle anderer – das kann manchmal allerdings auch anstrengend sein, denn Empathie lässt sich nie ausschalten. Neuerdings spiele ich Tennis“, erzählt sie weiter. „Das hat etwas sehr Befreiendes – und ich kann Negatives gut von mir ‚weghauen‘“. Und dann gibt es noch die Musik, die Ines mal entspannt, mal anspornt. „Ich kann nicht gut singen, aber ich tu’ es gerne. Zuhause höre ich fast immer Musik – ich hab sehr viele und sehr lange Playlists auf Spotify – ich mag Musik unterschiedlicher Genres und höre meine Lieblingssongs oft auch 1.000 Mal hintereinander. Manchmal tanze ich in den unmöglichsten Situationen durchs Haus. Meine Kinder finden das mal lustig, mal peinlich.“

 

 

In Omas Garten

 

Es hat aufgehört zu regnen – und wir setzen unser Gespräch kurzerhand im Garten fort. Der Garten (der eigentlich eher ein Park ist als ein Garten) strotzt nur so vor Geschichten und der Seele von Ines’ Großvater, der erst kürzlich verstorben ist. Wir spazieren am Gemüsegarten vorbei und schlendern unter Nuss- und Kakibäumen hindurch. „Hier an diesem Tisch habe ich immer meine Hausaufgaben gemacht und meine ersten Gedichte geschrieben“, erzählt sie. „Meine Großeltern waren immer ganz wichtige Bezugspersonen für mich. Ich bin bei ihnen, hier in diesem Haus und in diesem Garten, aufgewachsen und im Laufe der Jahre immer wieder hierher zurückgekehrt. Darum ist dieser Ort etwas sehr Besonderes für mich. Alles hier erinnert mich an meinen Opa. Wie er diesen Baum geschnitten oder geflucht hat, weil der Gartenschlauch Faxen gemacht hat.“ (lacht)

 

 

Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen während unseres Gesprächs … und da ist es wieder, dieses kraftvolle Funkeln in Ines’ blauen Augen. Ich merke: Da ist tatsächlich noch sehr viel vom kleinen Mädchen von damals, auf das sie selbst gerne zurückblickt, obwohl ihre Kindheit zeitweise alles andere als rosig war. Aber auch der Blick in die Zukunft fällt ziemlich entspannt aus: „Alles ist offen, nicht zuletzt durch die vielen Dynamiken, die sich 2020 (gezwungenermaßen) ergeben haben. Früher konnte ich mit dem Ungewissen nicht viel anfangen – im Gegenteil! Aber mittlerweile mag ich es, verschiedene Optionen gleichwertig zu behandeln, alles auf mich zukommen und ja, fast von selbst, einfach entstehen zu lassen – immer mit dem Urvertrauen, dass das Leben schon weiß, was es für mich bereit hält und aus welchem Grund“, verrät Ines augenzwinkernd.

 

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